Wie der Wein Karl Marx zum Kommunisten machte.

Untertitel: Ein Philosoph als Streiter für die Moselwinzer.
Autor: Jens Baumeister.
Illustrationen von Walter Baumeister.
The Kottabos, Trier 2017.
219 Seiten mit s/w. Abbildungen.
Format 21×15 cm; Broschur.
Gewicht: 365 g.
ISBN 978-3-00-056471-0; ISBN 9783000564710.


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Beschreibung

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    Kam ein Reisender in den 1840ern an die Mosel, bekam er für 15 Pfennig einen Milchkessel voll Wein, für 50 Pfennig wurde ihm der Kellerschlüssel überlassen. Doch diese paradiesisch erscheinenden Zustände waren tatsächlich Ausdruck einer tiefen Krise. Absatzeinbrüche führten zu Preisstürzen, Verschuldung, Zwangsversteigerungen und schließlich zu Hungersnöten und Auswanderungswellen. Die ursprünglich vom Welthandel abgeschottete Moselregion wurde von der Globalisierung heimgesucht.
    Anfänglich überwogen die Vorteile: durch Abschaffung der preußischen Binnenzölle und Öffnung des englischen Marktes kam es zu einem kurzen Weinboom. Doch schnell zeigten sich die Schattenseiten der Moderne. Die Berliner Regierung sorgte mit ihrer neoliberalen Wirtschaftspolitik für die Abschaffung der innerdeutschen Zölle. Ohne Schonfrist wurde der preußische Markt mit Weinen aus Rehinhessen und der Pfalz überschwemmt. Erst in den späten 1850ern gelang es den Moselwinzern, in diesem Konkurrenzkampf zu bestehen. Letztendlich gingen die Moselaner gestärkt aus der Notzeit hervor und um 1900 wurde Moselwein zum begehrtesten und teuersten Wein der Welt.
    Karl Marx wurde in diese aufregende Zeit der Umbrüche hineingeboren. Früh wurde er zum kritischen Beobachter der Krise. Seine Familie besaß selbst Weinberge, seine spätere Verlobte Jenny von Westphalen spekulierte mit Kaseler Wein und sein Vater wirkte als Anwalt in dem langwierigen Waldprozess der Gemeinde Thalfang. Als Marx 1842 Chefredakteur der Rheinischen Zeitung in Köln wurde, flossen diese Erste-Hand-Kenntnisse in seine Artikel über Winzernot und Holzdiebstahlsgesetz ein. Der Philosoph wurde jetzt zum aktiven Streiter für die Moselwinzer.
    Ergebnis von Marx' Beiträgen war verschärfte Zensur und Verbot der Zeitung. Dennoch hatte sein Engagement eine positive Wirkung: Die Winzer schöpften wieder Hoffnung. Marx selbst bekam durch die Moselartikel den ersten Anstoß zur Beschäftigung mit seinem späteren Lebensthema, der Nationalökonomie.
    Moselwein spielte auch in Marx' Privatleben eine große Rolle, denn durch die Einkünfte der eigenen Weinberge hielt er sich zeitweilig finanziell über Wasser. Daneben war er Weintrinker – allerdings immer abhängig von der Freigiebigkeit seines Freundes Friedrich Engels, der ihm regelmäßig Weinpakete schickte.
    Das Buch von Jens Baumeister wagt den Spagat, die Moselwein-Geschichte des "langen 19. Jahrhunderts" in Zusammenhang mit Marx' wissenschaftlichem Werk zu erzählen und dennoch einen unterhaltsamen, spannenden Text zu liefern. So bringt er den berümten Trierer einem breiten Publikum näher.

    Über den Autor:
    Jens Baumeister studierte Betriebswirtschaftslehre und Fremdenverkehrs-Geographie, Geschichte, Kunstgeschichte und Klassische Archäologie an der Universität Trier mit Abschluss (M.A.) in Kunstgeschichte.
    Er ist verheiratet, spricht fließend Englisch und beherrscht Latein, Altgriechisch, Französisch und Spanisch.
    Seit 1993 arbeitet er als Gästeführer in Trier und Umgebung, von 1995 bis 2003 auch als Reiseleiter in verschiedenen europäischen Städten und Kulturregionen (Italien, Paris und London). In den folgenden Jahren machte er die erforderlichen Lehrgänge und Ausbildungen, um in allen Trierer Kultureinrichtungen führen zu dürfen (Dom, Liebfrauenkirche, Rheinisches Landesmuseum, Museum am Dom, Stadtmuseum und Museum Karl-Marx-Haus sowie alle zugänglichen Trierer Ausgrabungen, dazu Lehrgänge in der Großregion). Gleichzeitig schrieb er einige Führungshefte (St. Paulin, Hauptmarkt) und konzipierte eine Vielzahl von Vorträgen und eigenen Führungskonzepten und Reisen, so für die Tourist-Information Trier, die VHS Trier, Wikinger Reisen, IHK Trier und andere Institutionen.
    Zu den kunstgeschichtlichen und archäologischen Themen kam ab 1999 die intensive Beschäftigung mit Weinkultur und -geschichte. Er engagiert sich in den Gremien der Gästeführer.
    2008 gründete er die Firma The Kottabos – Wine and Infotainment, England & the Moselle. Die Firma entwickelte sich durch die erfolgreichen Konzepte der Marx-Wein-Führungen in eine stärker wissenschaftlich-historische Richtung. In den letzen Jahren unterrichtet Jens Baumeister daher auch einige Module der Ausbildungen der Trierer Stadtführer und der Kultur- und Weinbotschafter Mosel.
    Zur Karl-Marx-Ausstellung 2018 hat er ein umfangreiches Jubiläumsprogramm erstellt.

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